Nachruf auf Rüdiger Kowalke (1947 – 2019)

Lieber Rüdiger,

die Nachricht Deines Todes hat uns tief bewegt. Wem sonst als Dir, der das Leben so liebte und der seit langem so beeindruckend um sein Leben gekämpft hat, hätte man gegönnt, noch ein Stück davon zu bekommen. Und, dass Du es in der Dir eigenen Eleganz hättest genießen können. Du fehlst, nicht nur in der Hamburger Gastronomieszene, sondern auch uns.

Wir haben uns näher kennengelernt über unser gemeinsames Engagement für das Hansa-Theater. Als Thomas und ich überlegten wie wir das machen könnten, fiel ganz schnell Dein Name. Und dann saßen wir Dir gegenüber in Deinem Restaurant, der Institution, dem Fischpapst und haben Dich als Geschäftsmann kennengelernt. Immer freundlich, nie zu scharf im Ton, immer verbindlich, aber bei aller Fairness, knallhart. Und wenn ich mir unsere Zusammenarbeit betrachte, denke ich, so muss ein ehrbarer Kaufmann in der Hansestadt aussehen. Du warst wirklich ein Prototyp dieser Spezies. Und übrigens auch der einzige Gastronom mit Bentley, den Thomas und ich kannten. Das hat uns immer sehr beeindruckt. Aus dieser Zusammenarbeit ist über die Jahre eine Freundschaft gewachsen. Das ist nicht immer üblich, aber mit Dir und Susanne, Deiner Frau, die Dich so wunderbar getragen hat die letzten Jahre, hat sich das selbstverständlich so ergeben.

Und noch etwas anderes konnte man an Dir studieren: Wie wird man Papst? Was braucht man dazu? In Deinem Fall würde ich sagen: Ein Schwarzbrot, 2 Löffel Kräuterrührei und 1 Stück geräucherter Aal. Mehr brauchte es nicht in Hamburg. Gut, der Steinbutt mit der Pommery-Senfsoße hat dann Deine Regentschaft noch gefestigt. Aber die Papstwahl erfolgte nach dem Aal. Der zog sich ja wie ein Branding durch Deine ganze Karriere. Seit wir das Hansa-Theater gemeinsam machen, wissen wir: Auch die großen Artisten können nur einen Trick. Und natürlich begegnete man einem Papst mit Respekt. Den hast Du Dir hart erarbeitet mit Deiner unglaublichen Disziplin, Deinem Blick auch für die kleinen Dinge und Deiner Empathie. Etwas, was einen guten Gastronomen, der ja auch ein guter Gastgeber sein soll, auszeichnet: Deine Eigenschaft, zuhören zu können. Legendär, auch fast ein Branding war Deine Frisur, mit dem scharf gezogenen Scheitel à la Helmut Schmidt. Jaques Gelee sagte unser Freund und Partner Thomas manchmal. Und weil er damit ein berühmtes Lied von Udo Lindenberg meinte, war es eigentlich ein Kompliment.

Man erkennt den Geist eines Hauses, und das weiß ich vom Theater, immer an seinen Mitarbeitern. Und das ist das tolle, und wir haben es bei Dir immer wieder aufs Neue erlebt: Wenn man Dein Haus betritt, traf und trifft man auf selbstbewusste, aber nie arrogante, aufmerksame, aber nie sich anbiedernde Kellner. Das ist schon etwas Besonderes, der Spirit, den Du Deinem Sohn Dirk und Deinem Stiefsohn Benny, auch beides tolle Persönlichkeiten, aber auch dem ganzen Haus und der Dependance im Hansa mitgegeben hast. Diese Atmosphäre ist sicher der Grund, warum das Haus so gut läuft, aber auch der Grund, warum so viele Bekannte und Unbekannte in das Fischereihafen-Restaurant gekommen sind.

Wir als St. Pauli-Fans fragen uns natürlich, ob das wirklich gesund ist, immer eine Raute im Herzen zu haben. Wir haben uns das natürlich auch bei Dir gefragt. Denn, wenn die HSV-Spieler mit der Einstellung, die Du jeden Tag vorgelebt hast, immer auf den Platz gegangen wären, würden sie heute nicht in der 2. Liga kicken. Aber egal, dieser Gegensatz hat uns nie gestört, hat uns nie auseinanderbringen können.

Du hast aus den Bedrohungen Deines Lebens nie ein Geheimnis gemacht, und sie Dir trotzdem nicht anmerken lassen. Ich kenne kaum einen Menschen, der das Leben so liebte, wie Du. „Nimm Dir das Leben, und lass es nicht mehr los. Denn alles, was Du hast, ist dieses eine bloß“. Diese Zeilen aus Udos berühmten Lied musste Dir keiner zweimal sagen.

Dass Du jetzt im Himmel Deinen berühmten Räucheraal, natürlich mit einem Champagner, servierst und Gott fragst, welche Austern er denn möchte, Sylt-Royal oder Fin de Claire, ist kein Trost.

Tschüß Rüdiger

Ulrich Waller und Thomas Collien